Wiens schönster Trachtenball schreibt Traditionsgeschichte

Moden und Hypes kommen und gehen, doch der NÖ Bauernbundball stellt sich, in guten und in schwierigen Jahren, mit jugendlichem Elan und viel Kreativität jeder neuen Herausforderung.

Die bäuerliche Jugend und volkstümliche Tanzvorführungen zählten im Jahr 1955 zum tragenden Bestandteil des Bauernbundballes. (c) zVg Archiv

Die Corona-Pandemie macht einer Reihe gesellschaftlicher Großveranstaltungen – bis auf Weiteres – einen dicken Strich durch die Rechnung. Besonders örtliche Brauchtümer oder die Kulturszene trifft der verordnete Verzicht auf geselliges Miteinander hart. Um zumindest einen kleinen Trost zu spenden, wird beim nächsten NÖ Bauernbundball nicht im großen Ballsaal getanzt, sondern im eigenen Wohnzimmer. Ein „Alles Walzer“-Set soll zum Tanzen daheim ermuntern.

Klare Ansage statt Absage für den NÖ Bauernbundball

Seit der Gründung des NÖ Bauernbundballs im Jahr 1934 ist vieles an diesem gesellschaftlichen Höhepunkt  zur festen Tradition des Bauernbundes und im Wiener Ballkalender geworden. 
Doch im Laufe der Geschichte hat der Traditionsball zahlreiche Höhen, aber auch traurige Tiefen erlebt. Fünfmal erst hatte die Akademikergruppe den Ball in den Sophiensälen in der Wiener Marxergasse organisiert, da annektierte die deutsche Wehrmacht Österreich. Damit einhergehend wurde der Bauernbund und in der Folge auch der NÖ Bauernbundball verboten. Nach seiner Wiederaufnahme, nach dem Zweiten Weltkrieg im Fasching 1949, war der Ball ein leuchtendes Zeichen des Neubeginns.

„Wer damals zum Ball nach Wien kam, musste sich selbst etwas zum Essen und Trinken mitnehmen“, erzählte einmal der Zeitzeuge und Altlandeshauptmann Andreas Maurer (1919-2010). Mit dem Wachsen des sogenannten Wirtschaftswunders konnte sich auch der Ball über eine ungebrochene Attraktivität freuen. Das zeigen auch die ständig steigenden Besucherzahlen, was belegt, dass auch viele Wienerinnen und Wiener die gute Musik sowie das hohe Niveau zu schätzen wussten.

Das Jahr 1990 brachte eine weitere Zäsur in der Ballgeschichte. Die Sophiensäle wurden für Ballveranstaltungen geschlossen, weshalb sich das Ballkomitee, nach langer Suche, für das Austria Center entschlossen hatte. Der Umzug erwies sich, nach anfänglichen Ressentiments gegenüber dem modernen Zweckbau, als gute Wahl und seither wuchs die Zahl der Besucher kontinuierlich auf rund 6000 Besucher an. Mit ein Grund dafür ist die Tatsache, dass die alten Traditionen des Balls mit übersiedelt sind. Heute kann man mit Recht davon sprechen, dass der NÖ Bauernbundball der schönste Trachtenball in der Bundeshauptstadt Wien, und die meistbesuchte Ballveranstaltung nach dem Wiener Opernball, ist. 

21. Oktober 2020